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Auf der Aare unterwegs – Wanderpaddeln durch die Schweiz

Eine Woche lang einfach nur vorwärtspaddeln – das ist auch in der Schweiz möglich. Quer durch Helvetien geht es auf der Wasserstraße Aare. Das beweist, dass die Schweiz nicht nur für Wildwasser-Anhänger attraktiv ist, sondern auch allen Wanderpaddlern ein »sicheres« Abenteuer bietet. Matthias Rohrer beschreibt einige interessante Abschnitte.

Die Aare ist ein Nebenfluss des Rheins in der Schweiz und – gemessen an der Wassermenge – die sie dem Rhein zuführt, der wichtigste. Ihre Gesamtlänge beträgt 288 km, das Gefälle 1.565 m, ihr Einzugsgebiet 17.620 qkm. Sie ist der längste Fluss, der von seiner Quelle bis zur Mündung innerhalb der Schweiz bleibt. Die Aare entspringt den Aargletschern (Oberaar- und Unteraargletscher) im Grimselgebiet einige Kilometer südlich von Guttannen.

Unter dem Namen »Kanuland Schweiz« werden einfach zu paddelnde Strecken via Internetplattform, Routenführern und einheitlicher Signalisation allen Interessierten näher gebracht. Natürlich ist die schweizer Wildnis nicht mehr ganz erhalten – zu viele Kraftwerke und Brücken prägen die Aare. Der Erholungs- und Erlebniswert ist trotzdem groß. Denn meistens bewegt man sich abgeschirmt durch Ufervegetation im Grünen und hat den Vorteil vielfältiger Einkaufs- und Übernachtungsmöglichkeiten, bester Bus und Bahnanbindung und außerdem kulturelle Highlights in Fußgängerdistanz vom Fluss.

Start im Berner Oberland

Hinter uns leuchten weiß die Alpengipfel. Auf dem Parkplatz der Einbootstelle in Thun-Schwäbis, wo die Aare das Städtchen durch ein letztes Kraftwerkswehr verlässt, herrscht emsiges Treiben um uns herum. Schlauchboote werden aufgepumpt, Getränke geladen, Tagesgepäck wasserdicht einzupacken versucht, nackte Oberkörper gegenseitig mit Sonnencreme eingeschmiert – die Stimmung ist eher vergleichbar der einer Badeanstalt als vor einer Kanutour.

Thun–Bern ist die Hausstrecke der Berner an einem warmen Sommertag. Zu Hunderten lassen sie sich von der flotten Strömung bis in die Bundeshauptstadt heruntertreiben. Jeder einigermaßen ausgebildete Paddler macht sich da so seine Gedanken ob der Unbefangenheit – ohne Schwimmwesten angesichts der ein paar Kilometer weiter unten folgenden Uttigen-Welle. Auch wir sind von Biel her mit dem Zug angereist, pumpen unser Schlauchkanu auf und verpacken unser Reisegepäck wasserdicht – allerdings sind wir gerüstet für eine Woche Abenteuer quer durch die Schweiz: 210 Kilometer Wasserstraße liegen vor uns. Grün und zügig fließt die sommerlich warme Aare Richtung Bern. Im Thunersee konnte sich das Gletscherwasser der verschiedenen zufließenden Alpenbäche (Simme, Kander, Lütschine, Engstlige etc.) nochmals etwas wärmen.

Schon vor der Eisenbahnbrücke von Uttigen kündigt sich die Stromschnelle mit zahlreichen Wellen an und schüttelt auch uns ziemlich durch. Einige Wellen schwappen über die Bordwand ins Boot – nun zahlt es sich aus, dass unsere Wahl für diese Etappe auf ein selbstlenzendes Luftboot fiel. Wir landen kurz an – diesem Schauspiel wollen wir noch eine Weile zuschauen. Boot um Boot treibt in die Stromschnelle hinein. Es wird gekreischt und gequietscht – einigen Insassen steht der Schreck ins Gesicht geschrieben, denn so etwas haben sie nicht erwartet. Ernsthafte Kenterungen bleiben aber zum Glück aus.

Wir übernehmen die lässige Berner Gemütlichkeit und lassen uns ebenfalls flussmittig in der Sonne Richtung schweizer Bundeshauptstadt treiben. Nur ein paar farbige Gummiboot-Fetzen, die an einem der eng stehenden Brückenpfeiler bei Münsingen hängen, erinnern nochmals daran, dass die Aare hier oben doch immer wieder ungeahnte Kräfte zeigt.

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Aare von Thun bis zur Mündung in den Rhein

Länge: 210 km

Charakter: Großfluss zum Wanderpaddeln, ganzjährig befahrbar. Zahlreiche Wasserkraftwerke und Wehre auf der Strecke, die umtragen werden müssen. Signale beachten!

Schwierigkeiten: WW I bzw. Zahmwasser mit Ausnahme einiger weniger schwierigeren Stellen bis WW III

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Einen ausführlichen Bericht und weitere Tourenvorschläge lesen Sie in der Ausgabe 3/2010 des kajak-Magazins. 

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