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Frühlingserwachen in Tirol – Wildwasser auf Brandenberger Ache und Co.

 

Kaum reichen die Temperaturen für die ersten Frühlingsgefühle, schon pilgern Wildwasserpaddler aus nah und fern zur Brandenberger Ache in Tirol. Matthias Breuel weiß, dass es dafür gute Gründe gibt, und berichtet auch von den anderen Achen im Tiroler Unterland.

Nicht nur Wildwasserpaddler wissen, dass es an der Brandenberger Ache schön ist. Auch Bär Bruno, der im Sommer 2006 als Problembär auf seiner Wanderung durch die Alpen für Schlagzeilen sorgte, machte hier Station. Ob er in der Kaiserklamm angelte oder ein Bad nahm, bleibt zwar sein Geheimnis, doch weshalb es den Bären gerade in diese Gegend verschlug, ist einfach nachvollziehbar. Während weite Teile der Alpen unverkennbar von den Spuren unserer Zivilisation gezeichnet sind, regiert in den Brandenberger Alpen noch immer vor allem die Natur. Ausgedehnte Wälder, einsame Gipfel und schroffe Schluchten mit rauschendem Wildwasser prägen die Landschaft. Es ist eine Welt für sich, abseits größerer Orte, abseits des Massentourismus und abseits des Durchgangsverkehrs. Attraktiv für Bären und nicht weniger attraktiv für sportbegeisterte Naturfreunde und besonders Wildwasserpaddler.

Wenige Kilometer von der Autobahnausfahrt Kramsach scheint das dicht besiedelte, verkehrsreiche Inntal bereits weit entfernt. Vorbei an einem nostalgisch anmutenden Einersessellift, der nur noch im Sommer seine Runden dreht, führt eine kleine Straße entlang der Brandenberger Ache talaufwärts. Oberhalb des Pegels an der hübschen Kirche von Mariathal, einem der traditionellen Paddlertreffpunkte im Tal, bleiben die letzten Häuser zurück, und nur herrlicher Mischwald umrahmt noch Fluss und Straße.

Nach einigen Kilometern verlässt die Straße den Fluss, steigt steil an und schlängelt sich oberhalb der wilden Klammen durch Wiesen und Wälder. Erst bei der kleinen Siedlung Pinegg an der Mündung der Steinberger Ache erreicht die Straße wieder Wasserniveau und führt als schmales Asphaltband am Fluss entlang hinauf zum Kaiserhaus. Dazwischen liegen zwar gerade mal etwa 10 Flusskilometer, doch die sind mit ihren beeindruckenden Klammen und zahlreichen Wildwasserpassagen von spritzig bis extrem etwas ganz Besonderes.

Das gilt auch für die ganze Brandenberger Ache in mehrfacher Hinsicht. So ist sie zum einen der einzige größere Fluss in Tirol, der nicht aus südlicher Richtung kommend in den Inn mündet, sondern aus nördlicher. Zum anderen hat die Holztrift mit ihren künstlich verursachten Hochwassern, mit denen das Holz flussabwärts transportiert wurde, an verschiedenen Stellen das feste Gestein und damit auch besonders spannende Wildwasserpassagen freigelegt.

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BRANDENBERGER ACHE UND TIROLER UNTERLAND

Kurzcharakteristik: Die 22 Kilometer lange Brandenberger Ache ist der wohl schönste Wildfluss Tirols zur Frühlingszeit. Rund um diesen linken Nebenfluss des Inn liegen im Tiroler Unterland eine Menge anderer Achen, die zwar nicht die einmalige Klasse der Brandenberger Ache haben, aber ein abwechslungsreiches Spektrum von entspannt bis sportlich bieten und teilweise ebenfalls durch eindrucksvolle Landschaften fließen.

Anfahrt: Aus Deutschland kommend über die A8 zum Autobahndreieck Inntal und weiter über die Inntalautobahn ins Tiroler Unterland. Die Brandenberger Ache erreicht man über die Autobahnausfahrt Kramsach.

Basislager: Etwas entfernt von der Brandenberger Ache, aber insgesamt sehr zentral, liegt der Campingplatz Schlossberg Itter (Tel. +43 53352181; www.camping-itter.at) zwischen Hopfgarten und Wörgl im Tal der Brixentaler Ache. Der Platz bietet allen erdenklichen Komfort und luxuriöse Sanitäreinrichtungen zu überraschend humanen Preisen. Die Atmosphäre eines Paddlerzeltplatzes darf man natürlich nicht erwarten. Eine mögliche Alternative stellt der Campingplatz Reiterhof (Tel. +43 5335 3512; www.campingreiterhof.at) an der Kelchsauer Ache dar. Verschiedene Campingplätze stehen auch an den Seen bei Kramsach zur Verfügung. Infos dazu über den Tourismusverband Alpach-Seenland unter www.kramsach.info. Wildes Zelten im Tal der Brandenberger Ache sollte man sich verkneifen, um kein negatives Image der Paddler im Tal entstehen zu lassen.

Beste Zeit: Das Tiroler Unterland ist ein klassisches Frühlingsrevier. Der ideale Zeitraum liegt meist zwischen der zweiten April- und der ersten Junihälfte. Ansonsten ist man meist auf vorherige Niederschläge angewiesen; am längsten laufen dank des höher gelegenen Einzugsgebiets meist Lange Grundache und Kelchsauer Ache, während an der Thierseer Ache die Schneeschmelze oft schon Anfang Mai zu Ende geht. Bei Befahrungen der Brandenberger Ache vor dem 1. Mai sollte unbedingt der empfohlene Mindestpegel von 60 cm eingehalten werden.

TOURENBESCHREIBUNG

Brandenberger Ache: Kaiserklamm

Länge und Schwierigkeiten: 1 km WW V

Einstieg: Am Klammeingang, Boote (außer bei großem Besucherandrang) am besten über den Klammsteig hinauf tragen.

Ausstieg: Am Klammausgang oder weiterpaddeln

Charakter: Stufenförmiges Gefälle zwischen senkrechten Felswänden, bequem vom Triftsteig zu besichtigen (dabei aber Gefälle, Wucht und Schwierigkeiten nicht unterschätzen).

Tipp: Besser nicht schwimmen.

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Einen ausführlichen Bericht und weitere Tourenvorschläge lesen Sie in der Ausgabe 02/2010 des kajak-Magazins.

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