Aktuelle Ausgabe

Wind, Watt und Welle

Eine Kajaktour nach und rund um Borkum

Die zwei Gesichter der Nordsee erlebte Thomas Imgrund auf seiner Tour bei den Ostfriesischen Inseln, wo er Borkum erkunden wollte. Mal aufgewühlt, mal ganz sanft zeigte sich das Meer, so dass es von jeder Menge Erlebnisse zu berichten gibt.

Text/Bilder: Thomas Imgrund

»Dieser verdammteWind!«, flucht Ferdi, der sich mit seinem Kajak neben mir durch dieWellen kämpft. »Was soll diese blöde Fragerei?« Auch Yvonne ist sichtlich genervt. Dabei habe ich nur gefragt, ob ich die Schleppleine auspacken soll. Aber hier müssen wir jetzt alle durch, und da gehört ein rauer Ton schon mal dazu. Der bange Blick fällt immer wieder auf das GPS. Mehr als 5 km/h müssen wir halten, wenn wir noch rechtzeitig in Norddeich ankommen wollen, ohne dass uns das Wasser wieder entgegenströmt.

Die Wellen kommen frontal und werden immer höher und steiler: 1 Meter, 1 Meter 50... Die Gischt läuft über das Boot und spritzt uns ins Gesicht. Was sonst Spaß macht, nervt einfach nur, wenn man noch 25 km vor der Brust hat und durch jeden Sturz ins Wellental immer wieder abgebremst wird. Ach ja, der Deutsche Wetterdienst warnt nebenher noch vor Gewittern, denen wir auf der offenen Wasserfläche zwischen Juist und dem ostfriesischen Festland auch nicht entkommen können.

Der Wind bläst uns mit Stärke 5, teils mit 6 entgegen. Eher die starke Strömung vor der Insel Memmert schiebt uns voran als der Vortrieb, den wir mit dem Paddel erzeugen. Wind gegen Strömung – diese Kombination erzeugt die schönen, sich brechenden Wellen, die in immer kürzeren Abständen auf uns zu kommen.

Hinein in die Wellen

Dabei hatte der Tag gut angefangen. Munteres Seevogelgezwitscher hat uns geweckt. Bei Sonnenschein haben wir die Bootswagen durch den losen Sand über die letzte Düne zum Borkumer Nordstrand gezogen und dachten, für heute wäre damit das Schlimmste geschafft. Dann zog der Himmel sehr schnell zu. Nebel. Gegenwind. Strömung von vorn, die uns selbst in der Brandungszone direkt am Strand auf 3 km/h abbremste. Trotz allem – die sich immer wieder für wenige Sekunden durch den Nebel kämpfende Sonne erzeugte ein fast unwirkliches, phantastisches Licht.

Nach zwei Stunden hatten wir das Ostende der Insel erreicht und mussten uns entscheiden: Entweder die Osterems queren, westlich an der Kachelotplate vorbei und auf der Seeseite von Juist paddeln oder aber den selben Weg über das Wattenmeer nehmen, den wir drei Tagen zuvor gekommen sind. Der Wetterbericht wurde ein letztes Mal gecheckt. Den ganzen Tag 4–5 Windstärken aus Nordost, Tendenz zunehmend. Gewitterwarnung. Trotz des stärker werdenden Winds entschieden wir uns für die Seeseite, da wir dort im Falle eines Gewitters zumindest an Land kommen können.

Über eine Stunde später. Ende. Vor uns nur noch Sand und Schlick. Wenn es nach der Seekarte ginge, könnten wir hier zwischen den Wattflächen hindurchpaddeln. Es ist unglaublich, welche gewaltigen Sandmassen hier in wenigen Jahren bewegt worden sein müssen. Der Zeitplan ist eng und es muss eine Entscheidung getroffen werden. Die trocken gefallenen Flächen weiter im Westen umfahren? Das würde uns bei diesen Bedingungen mindestens eine weitere Stunde kosten.

Also sind die Bootswagen schnell ausgepackt, was sich aber als Fehler erweist, da wir sofort im lockeren Sand einsacken. Auch diese Variante kostet zu viel Zeit. Also zurück auf das Wasser und zur Osterems, auf der wir mit dem inzwischen auflaufenden Wasser in die Wellen hineingeschoben werden, die während der nächsten Stunden auf dem sonst eher ruhigeren Wattenmeer keine Langeweile aufkommen lassen.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 01/2017.

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